Dioxin-Grenzwert
für Fischleber
Die EU-Kommission erhöht den Dioxin-Grenzwert für Fischleber von 8 auf
25 Pikogramm pro Gramm. Das hat der zuständige Ausschuss am 18.04.2008
beschlossen.
Um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, dürfen
Verbraucher nur alle neun Wochen eine Portion Fischleber verspeisen.
Die von der EU-Kommissarin für Gesundheit, Androulla Vassiliou,
vorgeschlagene Erhöhung des Dioxin-Grenzwertes bedeutet ein erhebliches
Gesundheitsrisiko für Liebhaber der Fischspezialität Dorschleber. Nach
einer
Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll ein Mensch aus
allen Lebensmitteln pro Tag maximal
4 Pikogramm Dioxine und dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle
(dl-PCB) je Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Die EU, die es sich
zur Aufgabe gemacht hat, die Dioxinbelastung der Bevölkerung insgesamt
zu reduzieren, gibt als Zielwert 1 Pikogramm Dioxine pro Kilogramm
Körpergewicht vor.
Für
einen 70 Kilogramm schweren Menschen
bedeutet die WHO-Empfehlung eine maximale tägliche Aufnahme von 280
Pikogramm Dioxinen, der EU-Zielwert die Einnahme von höchstens 70
Pikogramm. Jedoch nimmt eine Person das Zehnfache (WHO) bis das
Vierzigfache (EU) dieser Mengen zu sich, wenn sie den Inhalt einer
115-Gramm-Fischdose verspeist, die nach dem neuen EU-Grenzwert noch
verkauft werden darf.
Dioxin-Grenzwerte nach Belastung festgelegt
Die Festsetzung der Dioxin-Grenzwerte folgt einer absurden Logik:
Sind
Produkte in der Regel stark mit Dioxinen belastet, wird der Grenzwert
höher
angesetzt. Fisch kann vergleichsweise viel Dioxine und dl-PCB
enthalten, da
Fische diese Giftstoffe sowohl über die Nahrungskette als auch direkt
aus dem Wasser
aufnehmen. So sind manche Gebiete der Ostsee durch Industrieabwässer
der Anrainerländer besonders stark mit
Dioxinen und dl-PCB belastet. Dorsch, der Ostsee-Kabeljau, nimmt die
Giftstoffe aus dem Wasser auf und reichert sie vor allem in fettreichen
Organen wie der Leber an.
Bei
Dioxin-Grenzwerten muss zudem die tatsächliche Verzehrsmenge
von Lebensmitteln berücksichtigt werden. Wenn die Regierung, wie bei
Quecksilber in Fisch geschehen, eine Verzehrsempfehlungen ausspricht,
dürfte ein Mensch nur alle neun Wochen eine Portion Fischleber (150
Gramm) verspeisen, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Dabei wird
die durchschnittliche Hintergrundbelastung mit Dioxinen durch andere
Lebensmittel berücksichtigt.
Neuer Grenzwert nach Industriewünschen
Bei Tests von foodwatch
im Frühjahr 2007 wurde der damalige Grenzwert für
Dioxine und dl-PCB in Dorschleber um das bis zu Zehnfache
überschritten. Die
meisten Handelsunternehmen hatten die Fischkonserven nach den
Veröffentlichungen von foodwatch ausgelistet. Die Hauptproduzenten in
Deutschland, die Firmen Rügenfisch und Stührk, hatten die Produktion
ausgesetzt. Daraufhin hatten die Unternehmen angekündigt, sich für eine
Revision des Grenzwertes einzusetzen.
Nun wurde der Grenzwert ganz nach
den Wünschen der Industrie heraufgesetzt.
Diese Vorgehensweise der EU ist nicht neu: Erst 2006 wurde der
Dioxin-Grenzwert für Fischöl von 6 auf 24 Nanpgramm pro Kilogramm
heraufgesetzt. Fischöle werden vor allem Futtermitteln zugesetzt, und
so gelangen Dioxine in die menschliche Nahrung. Fleisch, Fisch, Eier
und Milch sind für 80 Prozent der menschlichen Gesamtaufnahme an
Dioxinen verantwortlich.
Wenn die EU Grenzwerte wiederholt heraufsetzt,
erweist sich die Rede vom vorbeugenden Gesundheitsschutz als bloßes
Lippenbekenntnis.